Kolumne Oktober 2026

38 Jahre

Wer bereits dieses Alter erreicht hat, oder schon darüber ist, kann im besten Fall zurückblicken auf abwechslungsreiche, spannende, erfüllte Jahre. So viel konnte gelebt werden: Kindheit und Jugend, Schule und Ausbildung, Partnersuche und Verbindung, Elternwerden, vielleicht Haus-bauen, erfolgreiche und glückliche Jahre, Krisen und deren Bewältigung, vertrauensvoller Blick in die Zukunft, oder Sorge wie es weiter geht.

Ein Mann hat 38 Jahre an einem Teich verbracht: Er war gelähmt und der Inhalt seines Lebens war Warten. Warten darauf, dass sich das Wasser im Teich bewegt. Von einem Engel bewegt, sagte man. In diesem Augenblick hätte das Wasser heilende Kraft, sagte man. Und wer als erster das Wasser erreicht, konnte danach sein Bündel schnüren und in die Welt der Gesunden zurückkehren. Wie oft mag er erlebt haben, dass dies so geschah - bei anderen.

Es waren Viele, die am Teich mit dem Namen Bethesda lagen. Viele die Hoffnung hatten, einmal auch zu denjenigen zu gehören, die froh und glücklich diesen Ort verlassen können.
Doch dazu gehörte: Warten.
Manche hatten Angehörige, oder Freunde, die halfen, wenn sich das Wasser wieder einmal bewegte, die einen Behinderten stützten oder trugen, damit er oder sie eine Chance hatte, als Erster das Wasser zu erreichen.

Der Mann, um den es hier geht, hatte niemanden, der ihm helfen konnte. So blieb ihm das Warten. Warten auf das Leben.
38 Jahre lang.

Eines Tages kam ein fremder Mann an diesen Teich. Er sprach den Gelähmten an. Er sah ihn an und er stellte ihm zwei Fragen:

Wie lange bist du schon hier? Und:
Willst du gesund werden?

„Ich habe keinen Menschen, der mich zu dem Teich bringt, wenn sich das Wasser bewegt“, war seine Antwort. Also: Ich habe keine Chance.

Steh auf, nimm dein Bett und gehe hin.

Was für eine Ansage für einen Mann, der sich 38 Jahre nicht vom Fleck bewegt hat.

Er hätte antworten können: Du siehst doch, was mit mir los ist, es ist unmöglich. Doch der Gelähmte setzt sich auf, stellt seine Füße auf den Boden, rollt sein Bett zusammen – und geht.
Er geht in die Welt der Gesunden, die aktiv ihr Leben gestalten, mit Mut und Zuversicht.
Später trifft er seinen Heiler wieder und er erfährt, dass es Jesus von Nazareth war, der ihn auf den Weg geschickt hatte.
Und Jesus gibt ihm noch einen Rat mit auf den Weg:
Sündige von jetzt an nicht mehr.

Heißt das, dass Krankheit Sünde ist?
Meint er, dass Hoffnungslosigkeit, Resignation, Sich- aufgeben … auch von Gott trennt und von dem, was Gott bewirken kann?

Also: Wer immer feststeckt in dem Gedanken: Mir kann niemand helfen, ich bin am Ende, höre auf die Worte:
Steh auf, nimm. was dich beschwert und gehe los in die Welt der Möglichkeiten .

Steh auf aus deinem Bett in dem du schläfst und träumst von einer besseren Welt.

Distanziere dich von dem Gedanken:  nichts wird sich ändern, es gibt keine Hoffnung – denn das ist Illusion.

Nachzulesen bei Joh. 5,1-14

Bärbel von Busch

Kolumne

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