Pastor Knöller, Lisa Feil (JuWa) und Britta Iwersen (Kirchengemeinderat) beantworten Fragen rund um das Thema unserer Aktionswoche Natur und Schöpfung. Wie kam es zur Idee? Was ist theologisch zu sagen? Wie wird das Thema mit Blick auf die Jugend gesehen?
Frage: Natur- und Umweltschutz sind heute gesellschaftlich viel diskutierte Themen. Welche Rolle kann eine Kirchengemeinde dabei aus deiner Sicht spielen? Was bedeutet ‚Schöpfung bewahren‘ für dich ganz persönlich – und was kann Glaube dazu beitragen?
Pastor Tobias Knöller: Als Pastor ist Schöpfungsbewahrung für mich erstmal ganz klar eine Glaubensfrage. Ich glaube: Diese Welt gehört nicht einfach uns. Sie ist Gottes Schöpfung und uns anvertraut. Und in jedem Lebewesen begegnet uns etwas von der Schönheit und Würde Gottes.
Deshalb gehört es für mich ganz selbstverständlich zum christlichen Glauben, das Leben und unsere Natur in aller Vielfalt zu schützen, zu fördern und zu erhalten. Schon die Bibel gibt uns den Auftrag, die Erde zu bewahren – also gut mit dem umzugehen, was Gott uns anvertraut hat.
Und natürlich hat das auch eine gesellschaftliche Seite. Als Kirchengemeinde leben wir ja nicht für uns allein, sondern mitten im Ort und mitten in der Gesellschaft. Wir müssen ganz konkret Verantwortung übernehmen, achtsam mit unseren Flächen und Ressourcen umgehen, Lebensräume schaffen und Menschen für die Schönheit und Verletzlichkeit der Natur sensibilisieren. Und dazu dient auch unsere Themenwoche.
Für mich ist das am Ende eigentlich ziemlich einfach: Was Gott geschaffen hat und liebt, sollten auch wir lieben, schützen und bewahren.
Frage: Was hat euch dazu bewegt, eine ganze Aktionswoche zum Thema „Natur und Schöpfung“ ins Leben zu rufen?
Britta Iwersen: Eigentlich war die Aktionswoche schon da – nur eben verteilt auf viele einzelne Orte, Gruppen und Termine. Denn, bei uns gibt es unglaublich viel Engagement und Akteure für eine lebenswerte Dorfgemeinschaft, für Natur- und Umweltschutz und für Nachhaltigkeit. Nur manchmal bekommt nur ein kleiner Kreis davon etwas mit.
Die Idee zur Aktionswoche entstand dabei fast nebenbei aus einer Reihe von Begegnungen: einem Gespräch im Café Kirchberg über die Maxi-Woche der Kita, der Klimameilenaktion der Grundschule, dem Newsletter des Gemüseanbaus „KiWi“ und einem Blick in den Kirchenkalender mit dem Musical „Mokelül“ und Erntedankfest. Da wurde uns klar: Es gibt hier bereits so Vieles, was sich mit den Themen Natur, Schöpfung und Nachhaltigkeit beschäftigt – warum nicht all das einmal zusammengefasst in der Woche zwischen Mokelül und Erntedank sichtbar machen, ergänzen und miteinander verbinden?
Frage: Was wünscht ihr euch, dass Besucherinnen und Besucher aus dieser Woche mitnehmen?
Britta Iwersen: Neugier, Inspiration und vor allem persönliche Begegnungen und Austausch. Wir wünschen uns Gespräche über Gott und die Welt – und vielleicht den einen oder anderen Gedanken, der über die Aktionswoche hinaus bleibt. Wenn jemand nach Hause geht und denkt: „Da möchte ich mich auch einbringen“ oder „Das wusste ich noch gar nicht – da mache ich beim nächsten Mal mit“, dann hat diese Woche schon viel erreicht.
Frage: Das Programm ist ungewöhnlich vielfältig: Musical, Ausstellungen, Workshops, Feldführungen, etc. Was verbindet all diese Angebote?
Britta Iwersen: Sie haben einen gemeinsamen Ausgangspunkt: Sie zeigen, was hier vor Ort bereits gelebt und bewegt wird. Natur, Schöpfung, Nachhaltigkeit und Gemeinschaft sind keineswegs nur abstrakte Themen – sie finden mitten in unseren Dörfern statt. Und zwar auf ganz unterschiedliche Weise: in den Kitas und Grundschulen genauso wie im Gemüseanbau, im Wald, in Initiativen, in Kirche.
Frage: Die Woche richtet sich ausdrücklich an Menschen jeden Alters. Warum war euch dieser generationenübergreifende Ansatz wichtig?
Britta Iwersen: Weil ein Dorf davon lebt, dass Menschen unterschiedlichen Alters und mit unterschiedlichen Interessen miteinander in Kontakt kommen. Jede Generation bringt ihren eigenen Blick, ihre Erfahrungen und ihre Ideen mit. An diesen Schnittstellen können wir voneinander lernen, uns gegenseitig inspirieren und vielleicht auch manches neu betrachten. Und genau daraus kann etwas entstehen, was für uns alle wichtig bleibt: Begeisterung für unsere Dörfer und für die Frage, wie wir selbst sie aktiv gemeinsam lebenswert gestalten wollen.
Frage: Warum bist du dabei und möchtest das Thema auch mit Kindern und Jugendlichen teilen?
Lisa Feil: Die Idee, Natur und Schöpfung einmal eine ganze Woche lang in den Mittelpunkt zu stellen, hat mich sofort angesprochen. Gerade für die Jugendarbeit finde ich das Thema spannend, weil junge Menschen einen ganz eigenen Blick auf ihre Umwelt mitbringen. Ich möchte zeigen, dass „Schöpfung bewahren“ nicht nur ein großes, abstraktes Thema ist, sondern ganz konkret vor unserer Haustür beginnt – und dass jeder und jede etwas beitragen kann."
Frage: Was ist das Besondere an der Vielfalt des Programms?
Lisa Feil: Ich finde besonders schön, dass für ganz unterschiedliche Menschen etwas dabei ist und das Thema aus vielen Perspektiven betrachtet wird. Es geht nicht nur ums Zuhören, sondern auch ums Ausprobieren, Entdecken, Diskutieren und Mitmachen. Gerade diese Mischung macht die Woche lebendig. Und vielleicht entdeckt dabei auch jemand eine Seite der Natur, mit der er oder sie bisher noch gar nicht so viel zu tun hatte."
Und Renate Marx Latzke aus dem Café-Kirchberg-Team formuliert ihre Sicht auf die Aktionswoche wie folgt:
"Wir Alle sind Wesen der Natur, wir leben in ihr, mit ihr und aus ihr. Wir Alle sind verantwortlich für unseren bewußten und schonenden Umgang mit unserer Lebensgrundlage. In der Vielfalt der Aktionen werden unterschiedliche Möglichkeiten dafür in unserem direkten Lebensumfeld aufgezeigt.
Und es werden neue, andere Sichtweisen und Gestaltungsmöglichkeiten in unserem Alltag dargestellt. Dieses ist ein lebenslanges Thema und der Austausch darüber mit den unterschiedlichen Erfahrungshorizonten der Generationen ist ein notwendiger Teil unserer Lebensgemeinschaft.
In der Grundlage eines bewußten Umgangs -Alle für Alle- mit der Natur spiegeln sich die christlichen Grundsätze der Nächstenliebe und Hoffnung. Werte, die uns zusammenhalten und in dieser krisenreichen Zeit wichtiger denn je sind. Und die in dieser Aktionswoche in unserem unmittelbaren Umfeld sichtbar gemacht werden."